Kieferorthopädie

Die Kieferorthopädie ist ein Teilgebiet der Zahnmedizin und befasst sich mit der korrekten Ausrichtung der Zähne, Kiefer und Gesichtsstrukturen. Ziel ist es, sowohl das ästhetische Erscheinungsbild als auch die Kiefer- und Zahnfunktionen zu verbessern.
Kieferorthopädie

Letztes Aktualisierungsdatum 15.05.2026 11:31:17

Die Kieferorthopädie ist ein Fachgebiet der Zahnmedizin und beschäftigt sich hauptsächlich mit der korrekten Ausrichtung von Zähnen und Kiefern. Das Wort stammt aus dem Altgriechischen und leitet sich von „orthos“ (gerade, korrekt) und „odons“ (Zahn) ab.

Die Kieferorthopädie ist ein Teilbereich der Zahnmedizin und befasst sich mit der korrekten Ausrichtung von Zähnen, Kiefern und Gesichtsstrukturen. Ziel ist es, sowohl die ästhetische Erscheinung als auch die Funktion von Kiefer und Zähnen zu verbessern.

Eine kieferorthopädische Behandlung wird angewendet, wenn Zähne engstehend, lückenhaft oder falsch positioniert sind. Dabei werden Zahnspangen, transparente Aligner (z. B. Invisalign), Brackets oder andere Apparaturen verwendet, um die Zähne in die richtige Position zu bringen.

Ziele der Kieferorthopädie und behandelte Probleme

Die kieferorthopädische Behandlung zielt sowohl auf ästhetische als auch funktionelle Verbesserungen ab. Zu den wichtigsten behandelten Problemen gehören:

  • Engstehende Zähne: Überlagerung oder unregelmäßige Stellung der Zähne aufgrund von Platzmangel im Kiefer.
  • Zahnlücken: Vorhandensein von Lücken zwischen den Zähnen.
  • Fehlbisse (Malokklusion): Fehlstellungen zwischen Ober- und Unterkieferzähnen (z. B. vorstehender Unter- oder Oberkiefer).
  • Kieferentwicklungsstörungen: Fehlentwicklungen der Kieferknochen und skelettale Deformitäten.
  • Sprach- und Kaufunktionen: Verbesserung dieser Funktionen durch die korrekte Ausrichtung der Zähne.
  • Retinierte Zähne: Zähne, die im Kieferknochen eingeschlossen bleiben und in die richtige Position gebracht werden müssen.

Zahnfehlstellungen (Probleme der Zahnstellung)

Dabei handelt es sich um Probleme, die durch eine falsche Positionierung der Zähne entstehen, obwohl die allgemeine Kieferstruktur normal sein kann:

  • Engstand: Überlagerung, Rotation oder unregelmäßige Stellung der Zähne aufgrund von Platzmangel im Kiefer.
  • Zahnlücken (Diastema): Übermäßige Abstände zwischen den Zähnen. Ursachen können ein Missverhältnis zwischen Zahn- und Kiefergröße, fehlende Zähne oder ein vergrößertes Lippenbändchen sein.
  • Retinierte Zähne: Zähne, die aufgrund eines Hindernisses nicht durchbrechen können und im Kieferknochen verbleiben (besonders Eckzähne).
  • Fehlende Zähne (Hypodontie) oder überzählige Zähne (überzählige/supernumeräre Zähne): Angeborenes Fehlen oder Vorhandensein zusätzlicher Zähne.

Fehlbisse (Malokklusion)

Dies beschreibt die fehlerhafte Beziehung zwischen Ober- und Unterkieferzähnen. In der Kieferorthopädie wird häufig die Angle-Klassifikation verwendet:

KlasseBeschreibung
Klasse INormale Kieferrelation, jedoch Zahnfehlstellungen wie Engstand oder Lücken im Frontzahnbereich.
Klasse IIVorstehender Oberkiefer oder Oberkieferzähne (Distalbiss / Retrognathie). Der Unterkiefer liegt im Vergleich zum Oberkiefer zurück. Dies führt häufig zu einem „Hasenzahn“-Erscheinungsbild und kann Kaubeschwerden verursachen.
Klasse IIIVorstehender Unterkiefer oder Unterkieferzähne (Progenie). Der Unterkiefer liegt weiter vorne als der Oberkiefer und kann das Gesichtsprofil deutlich beeinflussen.

Weitere Bissarten

Tiefer Biss (Deep Bite / Overbite): Die oberen Frontzähne bedecken die unteren Frontzähne übermäßig stark.

Offener Biss (Open Bite): Front- oder Seitenzähne berühren sich beim Schließen nicht. Dies kann Sprach- und Kauprobleme verursachen.

Kreuzbiss (Crossbite): Ein oder mehrere obere Zähne schließen außerhalb der unteren Zähne. Dies kann einzelne oder mehrere Zähne betreffen.

Kiefer- und skelettale Fehlstellungen

Dabei handelt es sich um Fehlstellungen der Kieferknochen, die besonders während des Wachstums mit funktionellen Apparaturen oder im Erwachsenenalter chirurgisch behandelt werden:

Kiefer-Rücklage oder -Vorlage: Unter- oder Oberkiefer sind im Verhältnis zueinander unter- oder überentwickelt.

Schmaler Kiefer: Ein zu schmaler Oberkiefer kann Kreuzbisse oder Engstände verursachen.

Gesichtsasymmetrie: Ungleichgewichte der Gesichtszüge aufgrund von Kieferfehlstellungen.

Funktionelle Probleme und Gewohnheiten

Auch schädliche Gewohnheiten und funktionelle Probleme, die unbehandelt die Zahn- und Kieferstruktur beeinträchtigen, gehören zum Bereich der Kieferorthopädie:

Kiefergelenksbeschwerden (CMD/TMJ-Störungen): Schmerzen, Knacken oder Blockierungen im Kiefergelenk infolge von Fehlbiss oder Zähneknirschen (Bruxismus).

Daumenlutschen, Zungendruck, langfristiger Schnullergebrauch: Können offenen Biss oder Kieferdeformitäten verursachen.

Sprach- und Kaustörungen: Schwierigkeiten bei der Aussprache bestimmter Laute oder beim effektiven Kauen aufgrund von Zahnfehlstellungen.

Behandlungsmethoden

Kieferorthopäden verwenden je nach individuellem Befund unterschiedliche Behandlungsmethoden:

Zahnspangen (Brackets): Die häufigste Methode. Metall- oder Keramikbrackets werden auf die Zähne geklebt und mit Drahtbögen verbunden, um kontrollierte Kräfte auszuüben.

Transparente Aligner: Individuell angefertigte, nahezu unsichtbare Schienen, die regelmäßig gewechselt werden.

Herausnehmbare und festsitzende Apparaturen: Geräte wie Gaumenplatten, Aktivatoren oder Gaumennahterweiterer, insbesondere bei Kindern.

Chirurgische Kieferorthopädie: Kombination aus kieferorthopädischer und chirurgischer Behandlung bei schweren Kieferfehlstellungen.

Festsitzende kieferorthopädische Behandlungen (klassische Zahnspangen)

Diese Systeme werden vom Zahnarzt fest auf den Zähnen angebracht und können vom Patienten während der Behandlung nicht entfernt werden.

Metallbrackets:

Die älteste, robusteste und meist kostengünstigste Behandlungsform. Kleine Metallbrackets werden mit speziellem Kleber auf die Zahnoberflächen geklebt und mit Drahtbögen verbunden.

Geeignet für ein breites Spektrum an Fällen, einschließlich schwerer Fehlbisse und komplexer kieferorthopädischer Probleme.

Keramik-/Transparente Brackets:

Funktionieren wie Metallbrackets, bestehen jedoch aus zahnfarbener oder transparenter Keramik und sind dadurch ästhetischer.

Werden besonders von erwachsenen Patienten bevorzugt.

Behandlung mit transparenten Alignern

Dies ist eine der beliebtesten modernen Behandlungsmethoden, besonders bei Erwachsenen.

Individuell angefertigte transparente und herausnehmbare Schienen, die anhand digitaler Scans der Zähne erstellt werden.

Der größte Vorteil ist ihre nahezu unsichtbare Erscheinung sowie die Möglichkeit, sie beim Essen und Zähneputzen herauszunehmen.

Wirksam bei leichten bis mittelschweren Zahnfehlstellungen und bestimmten Fehlbissen. Der Behandlungserfolg hängt davon ab, dass die Aligner täglich ausreichend lange getragen werden (meist 20–22 Stunden).

Herausnehmbare und funktionelle Apparaturen

Diese Geräte können vom Patienten selbst eingesetzt und entfernt werden und kommen überwiegend bei Kindern und Jugendlichen zum Einsatz.

Ziel ist weniger die Zahnbewegung als vielmehr die Steuerung des Kieferwachstums und der Entwicklung.

Beispiele:

Gaumennahterweiterer (RPE): Werden bei Kindern mit schmalem Oberkiefer eingesetzt, um den Kiefer seitlich zu erweitern.

Funktionelle Apparaturen (Bionator, Aktivator usw.): Fördern das Wachstum des Unterkiefers bei zurückliegendem Unterkiefer.

Einfache Platten: Werden verwendet, um schlechte Gewohnheiten wie Daumenlutschen zu verhindern oder kleine Zahnbewegungen durchzuführen.

Was ist chirurgische Kieferorthopädie?

Die chirurgische Kieferorthopädie, auch orthognathe Chirurgie genannt, ist ein Behandlungsansatz zur Korrektur schwerer skelettaler Kieferfehlstellungen, bei denen eine alleinige kieferorthopädische Behandlung nicht ausreicht.

Während die Zähne mit kieferorthopädischen Apparaturen ausgerichtet werden, werden Position und Größe der Kieferknochen chirurgisch korrigiert, um ein harmonisches Zusammenspiel von Gesicht und Kiefer zu erreichen.

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